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Auto & Techniktrends

Kinderbett simuliert Autofahrt

Schlaflose Nächte sollen nun der Vergangenheit angehören. Ein Autohersteller macht ein elektrisches Kinderbett bald serienreif. Das Besondere ist die Simulation einer Autofahrt, damit die Kinder schneller einschlafen. Doch wie förderlich ist das Bett für einen ausgewogenen Schlaf?//Von Pelin Öztopcu und Sevda Askin

27.06.2017//Bekanntlich machen viele Eltern die Erfahrung, dass ihre Kinder während einer Autofahrt besonders gut schlafen. Deshalb haben die Entwickler beschlossen ein Kinderbett zu konstruieren, das die Motorgeräusche, Lichter und Schaukelbewegungen beim Autofahren simuliert. Der Automobilhersteller Ford hat im Rahmen einer Werbekampagne in Spanien beschlossen, ein solches Kinderbett serienreif zu machen. Ziel ist es, Säuglingen so schnell wie möglich in einen Tiefschlaf zu verhelfen.

                                                                               Funktionsweise des Kinderbetts

Das Kinderbett verfügt über integrierte Lautsprecher, LED- Lichter und eine Bewegungssimulation. Die Lautsprecher befinden sich im Bettboden und geben Motorgeräusche wieder. Mittels einer Smartphone App können Lautstärke und Schaukelbewegungen reguliert werden. Motorengeräusche und im Bettboden integrierte Elektromotoren sollen dem Baby das Gefühl einer realitätsnahen Autofahrt vermitteln. LED-Lichter, die in verschiedenen Stufen gedimmt werden können, imitieren das Leuchten der Laternen am Straßenrand. Da der Bettboden beweglich ist, werden leichte, kurvige Bewegungen, die das Kind in den Schlaf wiegen sollen, nachgeahmt. Die App reguliert die Steuerung der Bewegungsgeschwindigkeit, den Rhythmus der Lichteffekte und die Länge der Motorgeräusche. 

Max Motor Dreams Kinderbett Eigenschaften (Quelle: Ford)

Guter Start für "Max Motor Dreams" in Spanien

Die Nachfrage nach dem Kinderbett schoss nach der Werbekampagne in die Höhe. Ein Prototyp des Kinderbettes wurde erst nur zu Werbezwecken der Automrake gebaut. "Max Motor Dreams", so heißt das Kinderbett, wurde in dem spanischen Creative Studio "Espada y Santa Cruz" entwickelt. Der Spanische Hersteller rechnete nicht mit so vielen Anfragen von Eltern, die sich anscheinend nach einem erholsamen Schlaf sehnen. 

Eltern kennen den Autoeffekt

"Der subjektive Eindruck, und da werden mir sicher viele junge Eltern zustimmen, ist, dass Kinder während Autofahrten tatsächlich schneller einschlafen", so Sebastian Zaremba, Neurologe im Schlaflabor des Uniklinikums Bonn. Dieser Werbegag führt nun zu einer möglichen Produktion des Kinderbetts. "Viele Eltern machen Autofahrten, damit ihre Kleinen auf dem Rücksitz behutsam einschlafen können, so Jeanette Schulz, Ezierherin im Kindergarten Sankt Augustin.

Elternumfrage zu dem Thema elektrisches Kinderbett 

Professionelle Beratung durch Schlafexperten noch erforderlich

Wie seriös wirkt ein Automobilkonzern, wenn er auf einem für ihn unbekanntem Gebiet etwas auf den Markt bringen will? Ein Kinderbett zu produzieren ist natürlich nicht dasselbe wie die Herstellung eines Personenkraftwagens oder Lastkraftwagens. Zunächst müsse eine schlafmedizinische Beratung und Experten hinzugezogen werden, so Zaremba. Er ergänzt "auf jeden Fall sollten mögliche Nebenwirkungen und Langzeitfolgen überwacht werden."

Studien zum Teil widersprüchlich

Laut Somnologe Sebastian Zaremba sei dem Bett bisher, als den Schlaf förderndem Faktor, zu wenig Beachtung geschenkt worden. Studien, die belegen könnten, dass Kinder während einer Autofahrt schneller und ruhiger Schlaf finden, gibt es bislang keine. Laut dem Neurologen Zaremba wurde eine schwedische Studie mit Erwachsenen durchgeführt, bei denen mittels einer Plattform Motorengeräusche und Vibration einer Autofahrt simuliert wurden. Das Ergebnis der Forscher unterstützt die Methode des Kinderbetts. Denn die Wissenschaftler fanden vermehrt Zeichen für Schläfrigkeit bei den Probanden. Im Gegensatz zu dieser Untersuchung besteht eine aktuelle epidemiologische Forschung aus Norwegen. Diese sagt aus, dass  die Verkehrsgeräusche bei Kindern im Alter von sieben Jahren zu einem schlechten Nachtschlaf beitragen. Eine weitere Studie aus Polen bestärkt, dass Kinder die einem hohen Straßenlärm ausgesetzt sind, das Risiko aufweisen, Aufmerksamkeitsstörungen zu entwickeln.

Gesundheitliche Konsequenzen: Der REM-Effekt

Aktuell sind noch keine spezifischen Studien zu dem genannten Kinderbett durchgeführt worden. Bekannt ist aus Untersuchungen, dass Vibrationen den Schlaf bei Erwachsenen in seiner Binnenstruktur beeinflussen, so Zaremba. Das Rapid Eye Movement (schnelle Augenbewegung), kurz REM, bechreibt eine Tiefschlafphase mit einer verlängerten und intensiven Traumphase. Folglich erklärt der Neurologe, dass der Rapid Eye Movement den Schlaf reduzieren würde. "Dies könnte bei Kleinkindern ein besonderes Problem darstellen, da diese im Gegensatz zu Erwachsenen deutlich mehr Zeit pro Nacht in diesem Schlafstadium verbringen würden."

Besseres Zeitmanagement für Eltern

Aus Sicht der Eltern könnte dieses Produkt einen positiven Effekt mit sich bringen und dazu führen, dass sie einen geregelten Schlafrhythmus hätten. Der Stressfaktor wäre deutlich geringer und könnte somit zu einer besseren Lebensqualität führen. Der Schlaflaborexperte sieht dies jedoch kritisch. "Schnelles Einschlafen ist in diesem Fall sicherlich nicht das entscheidende Kriterium, nachdem die Eltern die Schlafumgebung ihrer Kinder gestalten sollten."

Einschlafen auf Knopfdruck- eine Sache der Konditionierung

Das Kinderbett könnte zu einer Konditionierung führen, die durch eine Verhaltenstherapie behandelt werden müsste. Zudem könnte es zu Folgeschäden durch eine psychologische Abhängigkeit kommen. Die Pawlowsche Konditionierung spielt hier eine Rolle. Zaremba bestätigt, dass es auch eine Konditionierung bei dem Kinderbett geben könne. Patienten, die an einer Schlafstörung leiden, hätten diese in vielen Fällen konditioniert, in dem sie durch Störfaktoren eine unruhige Atmosphäre im Schlafzimmer geschaffen hätten. Nach dem Schlafexperten seien mögliche Ursachen, ein Arbeitsplatz im Schlafzimmer oder lange Liegezeiten ohne zu schlafen. Diese Patienten berichten auch, dass sie im Urlaub erholsamer schlafen könnten.

Melanie HagenMelanie Hagen, Erzieherin im Kindergarten St. Augustin, ist der Meinung, dass Kinder auch in einer ruhigen Umgebung lernen zu schlafen. Damit das eigene Kind einen ausreichenden Schlaf bekommt, ist die Gestaltung der Schlafumgebung ausschlaggebend. Ein ruhiger und nicht zu warmer Raum sei die Voraussetzung, damit ein Kind einen gesunden Schlaf entwickele, bestätigt Zaremba.

Elternumfrage

Zweifache Mutter Sevim K. mit Ihren Kindern auf dem Spielplatz

Zukunftsaussichten "Max Motor Dreams"

Jeanette Schulz, Pädagogin und zweifache Mutter, ist der Meinung, dass das integrierte Licht irritieren oder eine Hyperventilation auslösen könnte. Schulz sieht aber auch durchaus positive Ansätze. "Eltern, die bei Nacht durch die Gegend fahren, damit ihre Kinder schlafen, wären froh, wenn sie so ein Bett hätten". Erzieherin Melanie Hagen berurteilt das neue Kinderbettchen eher kritisch, da Kinder auch im Kinderwagen schaukelnd einschlafen könnten und der Bedarf eines solchen Produktes nicht bestehe.

Elternumfrage

Seyhan G., 27 Jahre mit ihrer Tochter in der KiTa Sankt Augustin

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Die Autoren

Autorin_Askin   Autorenbild_Oeztopcu

Sevda Askin & Pelin Oeztopcu