Startseite / Redaktion / Suche / Kontakt / Impressum
 

Digitales Fernsehen

High-Definition aus der Antenne

Der Umstieg von DVBT auf DVBT2-HD steht an. Doch was verbirgt sich hinter den Laufschriften am unteren Bildschirmrand, die auf einigen Sendern eingespielt werden und darauf aufmerksam machen, dass sich bald etwas ändert? Von einer kleinen Signaländerung mit großen Auswirkungen. //Von Jannis Lindner und Julius Abraham

24.02.2017//Der Stichtag für die Änderung des digitalen Antennen-Fernsehsignals ist der 29. März 2017. Ab diesem Tag wird der alte Übertragungsweg DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) abgeschaltet und die neue Signalform DVB-T2 HD schrittweise eingeführt. Das soll vor allem ein schärferes und flüssigeres Bild für alle bringen, die ihr Fernsehsignal über eine terrestrische Antenne empfangen. Das heißt, dass sich sowohl der Sender (z.B. ein Fernsehturm) als auch der Empfänger (z.B. die Zimmerantenne) auf der Erdoberfläche befindet. Doch dabei gilt es, ein paar Dinge zu beachten.

Die Verbreitungsgebiete von DVBT2-HD in Deutschland //Quelle: dvbt2-hd.de/

Die Verbreitungsgebiete von DVB-T2 HD in Deutschland //Quelle: dvbt2-hd.de/

Warum ein neues Signal?

"Die Einführung von DVB-T und die damit einhergehende Umstellung von analog auf digital war damals eine Revolution. Mit DVB-T2 HD wird jetzt der nächste Schritt gegangen", meint Björn Hesel vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien. Andere digitale Übertragungswege, wie das digitale Kabelsignal DVB-C (Digital Video Broadcasting-Cable) zum Beispiel, können noch längere Zeit in ihrer derzeitigen Form praktikabel sein. Das terrestrische Antennen-Signal DVB-T hingegen muss bereits nach nicht einmal fünf Jahren in vollem Betrieb bereits flächendeckend modernisiert werden. Grund dafür ist vor allem die Anpassung an die neuen Fernsehgeräte, die nahezu alle eine High-Definition (HD) Auflösung anzeigen können. Der derzeitige Standard DVB-T kann allerdings nur Bilder mit einer maximalen Auflösung des alten "Phase-Alternating-Line"-Standards übertragen, kurz PAL. "Es ist schlichtweg nicht möglich, eine größere Datenmenge über ein solches Signal zu senden", sagt Benedikt Wagner, Medientechniker im Sendezentrum des ZDF in Mainz.


Die dritten Programme //Quelle: dvbt2-hd.de/

Die Digitale Dividende 2

Ein weiterer Grund für die Umstellung des DVB-T-Signals ist die Digitale Dividende 2. Das bedeutet, dass weniger Frequenzen für das Antennen-Fernsehen zur Verfügung stehen, da die Bundesnetz-Agentur diese Frequenzen an Mobilfunk-Anbieter vergeben möchte. Da also mehr Menschen in HD fernsehen möchten, es aber weniger Frequenzen gibt, die dafür zur Verfügung stehen, muss eine bessere Übertragungsmethode eingeführt werden.

Was kann DVB-T2 HD?

Mit dem neuen Signal-Standard DVBT-2 HD sind nun Bilder in HD-Auflösung empfangbar. Zusätzlich liegt die Bildwiederholungsrate jetzt bei 50 Bildern pro Sekunde. Das heißt, dass das Bild über DVB-T2 HD nun flüssiger aussieht als jenes, welches über DVB-T gesandt wurde. Damit zieht das Antennen-Signal mit dem von Satellit und Kabel gleich. Für Björn Hesel gibt es vor allem einen Vorteil für DVB-T2 HD: "Die Verbraucher fordern immer mehr Inhalte in High Definition. Mit dieser neuen Möglichkeit steigt die Attraktivität für DVB-T2 HD nun wieder."

Was bedeutet das für mich?

Für den Umstieg gibt es ein paar Dinge zu beachten. Auf der einen Seite kann man die alten Antennen, die für den Empfang des alten DVB-T-Signals genutzt wurden, ganz einfach für DVB-T2 HD weiter nutzen. Auf der anderen Seite benötigen Nutzer, um das neue Signal entschlüsseln zu können, einen DVB-T2 HD-Decoder. Dieses Gerät sorgt dafür, dass der Fernseher das Signal zu einem Bild verwerten kann. In einem neuen Fernseher sind diese oft bereits integriert. Bei älteren Geräten ohne dieses Modul muss ein externer Decoder, ein sogenannter Receiver, angeschlossen
werden. "Leider ist eine Programmierung von alten Geräten auf die neue Technik nicht möglich. Hier wird man um einen Neukauf nicht herum kommen," sagt Wagner. Mehr Informationen zur Kompatibilität finden sich auf der Website der Initiative DVB-T2 HD.


Die verschiedenen Empfangswege. //Quelle: dvbt2-hd.de/

Die Kosten im Blick behalten

Für die öffentlich-rechtlichen Sender reicht ein einfacher Decoder samt Antenne aus. Wer allerdings die privaten Sender wie ProSieben oder RTL weiterhin schauen will, benötigt zusätzlich noch einen Zugang zu der Plattform "freenet TV". Diesen Zugang erhält man über ein integriertes Modul im Fernseher oder über einen externes im Receiver. Dieser Zugang beläuft sich auf 69 Euro pro Jahr. Addiert man dazu noch den DVB-T2 HD-Receiver, der zwischen 35 Euro und 250 Euro kostet, entstehen nicht unerhebliche Kosten.


Die Programmbelegung von DVBT2-HD //Quelle: dvbt2-hd.de/

Nicht alles ist HD

In der Theorie verspricht das ein rundum verbessertes Fernseh-Erlebnis. Allerdings müssen die ausgestrahlten Formate auch in der entsprechenden Qualität aufgenommen werden. Soll heißen, ein alter Film wird keine gestochen scharfe Qualität besitzen, auch wenn er in DVB-T2 HD gesendet wird. Seit Mai 2016 befindet sich der zukünftige Signal-Standard DVB-T2 HD in der Testphase, unter anderem auch im Raum Köln/Bonn/Aachen. Wer wissen möchte, wie die Möglichkeiten an seinem Wohnort sind, kann dies mit dem Empfangscheck der ARD herausfinden. Wer ein empfangsfähiges Endgerät besitzt, kann den neusten Standard momentan noch kostenlos testen.

Artikel von Julius Abraham und Jannis lindner, Technikjournalismus/PR

Facebook

Kommentieren und bewerten 

Mit folgendem Formular können Sie den Artikel kommentieren und bewerten. Mit einem * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

Ihr Name*
Ihre E-Mail-Adresse*
Bewertung des Artikels*
(1 Stern = schlecht / 6 Sterne = hervorragend)
Sicherheitsabfrage*: Bitte addieren Sie 6 und 1
Ihr Kommentar*

Übertragungswege

DVB-T: Veraltetes digitales Antennen-Signal (1,9 Mio. Haushalte im Jahr 2015)

DVB-T2 HD: Neues digitales Antennen-Signal (Einführung 2015)

DVB-C: Digitales Kabel-Signal (12,9 Mio. Haushalte im Jahr 2015)

DVB-S: Digitales Satelliten-Signal (17,6 Mio. Haushalte im Jahr 2015)

Alle Übertragungswege gab es vorher in analoger Form. Allerdings wurden diese nach und nach durch digitale Übertragungsformen ersetzt.

(Quelle: statista.com)

"freenet TV"

"Freenet TV" ist eine Plattform von Media Broadcast, welche kostenpflichtig Privatprogramme wie RTL oder ProSieben über DVB-T2 HD sendet. Media Broadcast ist Teil der freenet Group und Deutschlands größter Serviceprovider der Rundfunk- und Medienbranche.

Auflösung

Die Auflösung bezeichnet den Grad der Schärfe eines Bildes. Ausschlaggebend ist hier die Anzahl der einzelnen Bildpunkte, der sogenannter Pixel. Diese werden in "Punkte pro Zeile" mal "Punkte pro Spalte" angegeben, also für z.B. HD 1920 Pixel mal 1080 Pixel. "PAL" hingegen hat nur 768 mal 576 Bildpunkte. Je höher die Auflösung desto höher die benötigte Datenmenge.

Bildwiederholungsrate

Die Bildwiederholungsrate (auch frame rate) zeigt an, wie oft ein Bildschirm pro Sekunde das Bild verändert. Für das menschliche Auge sieht eine Bewegung flüssig aus, wenn sie mit mindestens 30 Bilder pro Sekunde abgespielt wird. Je höher die "frame rate", desto flüssiger wirkt das Bild auf den Beobachter. Das bedeutet aber auch eine höhere Datenmenge.

Die Autoren

Jannis Lindner Julius Abraham

Jannis Lindner & Julius Abraham