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E-Mobilität

Vision: Laden per Induktion?

Wir kennen induktives Laden schon von der Elektrischen Zahnbürste. Doch bei Elektrofahrzeugen kommt diese Technik bislang noch kaum zum Einsatz. In Braunschweig ist das System bei Bussen mit all seinen Vor- und Nachteilen bereits Realität. Könnte das die Zukunft sein? Technikjournal hat nachgefragt, wie das Laden ohne Kabel funktioniert.//Von Martin Pucelik

08.03.2017//Bei der Stadt Braunschweig fahren seit einiger Zeit mit großem Erfolg E-Busse, die induktiv geladen werden können. Das Verkehrsunternehmen zieht dabei bislang eine sehr positive Bilanz. Die Verkehrs GmbH pflegt seit Jahrzehnten Beziehungen zur Technischen Universität Braunschweig, die unter anderem diese Technik seit den 80er-Jahren entwickelt.

Personal und die Fahrgäste sind zufrieden

Die Busfahrer haben bereits sehr gute Erfahrungen mit diesem System gemacht, erklärt das Unternehmen. "Zu Beginn war es ein Forschungsprojekt in der Lernphase, das jetzt in einen stabilen Betrieb übergeht", so der Braunschweiger Verkehrsbetrieb weiter. Die Befragung der Kunden im September 2016 ergab, dass diese generell sehr zufrieden mit dem E-Bus sind.

Das Funktionsprinzip im Überblick

Beim induktiven Laden wird der Akku des Fahrzeuges kontaktlos geladen. Dazu benötigt man immer zwei Spulen. Eine auf dem Boden und die andere unter dem Fahrzeug. "Diese werden gut über einander platziert und darüber kann ich Energie übertragen", so Jürgen Apfelbeck, Professor für Grundlagen der Elektrotechnik und Informationselektronik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Das Gleiche gäbe es schon länger, zum Beispiel bei Zahnbürsten oder den Handyladegeräten fürs Auto, so Apfelbeck weiter. 

Das System sei universal einsetzbar, da es nur geringen Platz braucht. Deshalb könne man es vor allem in Großstädten gut einsetzen. Außerdem komme diese Technik auch in Berlin und Mannheim zum Einsatz.

Laden per Induktion fordert den Autobau

Bei einem Stecker gäbe es deutlich weniger Energie-Verluste, erläutert Apfelbeck weiter. Auch könne es Kompatibilitätsprobleme geben, wenn bei dem Fahrzeug etwas angepasst werden müsste, damit der Autofahrer die Induktion ebenfalls nutzen könne, sagt der Experte. Zudem müssen die Spulen am Fahrzeug immer so platziert werden, dass kaum Energieverluste entstünden, so Apfelbeck.

In der Regel kurze Bauzeiten

Die induktive Ladeeinrichtung sei innerhalb einer Woche in der Straße eingebaut. Besteht seitens der Verkehrsbetriebe keine Erfahrung im Bau solcher Systeme, wird dies über den Systemhersteller umgesetzt, schreibt die Braunschweiger Verkehrs GmbH. Das Bauvorhaben sei finanziell vergleichbar mit den üblichen kabelgebundenen Ladesystemen. "Kabelgebundenes Laden stellt aus unserer Sicht keine Alternative in einem Großstadtbetrieb dar", so das Verkehrsunternehmen. 

Geldersparnis, Minderung der Emissionen und des Lärms 

Die Fahrzeuge seien durch den Elektromotor deutlich länger nutzbar als die Dieselfahrzeuge, erklärt das Unternehmen. Auch müsse man keine zusätzlichen Busse in der Nacht einsetzen, was die Kosten in etwa gleich halte. "Aktuell vergleicht man natürlich ein technisches Novum mit einem lange ausentwickeltem Dieselsystem, insofern ist noch eine unterstützende Förderung angezeigt", so die Braunschweiger Verkehrs GmbH. Zudem seien die Reduzierung von Abgasen sowie die Lärmminderung auch positiv zu sehen. Zudem spare der Verkehrsbetrieb über zehn Jahre grechnet rund 150 Tausend Euro an Energiekosten.

Induktives Laden eher auf Parkplätzen

Christopher Joffe vom Fraunhofer Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB gibt eine etwas andere Einschätzung. Natürlich bringe diese Technik einige Vorteile mit sich. Zum einen müssten E-Autofahrer kein unhandliches Kabel mehr transportieren, um den PKW aufzuladen. Außerdem könne man das System überall dort integrieren, wo Fahrzeuge längere Zeit stehen blieben, erklärte Joffe. Das Autos in Zukunft im Fahrbetrieb aufladen, hält Joffe jedoch für eher unwahrscheinlich. Induktive Ladesysteme wird es aus Sicht des Experten nur vereinzelt auf öffentlichen Parkplätzen geben. Der überwiegende Teil werde im halböffentlichen Bereich (Supermarkt) oder in privaten Garagen sein. Es werde aktuell der Ausbau von Schnelladestationen vorangetrieben, jedoch würde der Bau von induktiven Ladesystemen derzeit noch nicht in Betracht gezogen, so Joffe weiter. Des Weiteren werden sowohl kabelgebundene Schnellladesäulen als auch induktive Ladesysteme parallel existieren, erläutert der Experte.

Bildergalerie zum Thema Vision: Induktives Laden? Quelle: Braunschweiger Verkehrs GmbH

Martin Pucelik, 6-Semester, Studiengang Technikjournalismus/PR

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