Startseite / Redaktion / Suche / Kontakt / Impressum
 

Wärmerückgewinnung

Heizen mit Nudelwasser

Dusche, Geschirrspüler, Waschmaschine – In vielen Haushalten finden schnell hundert Liter warmes Abwasser ihren Weg zurück in die Kanalisation. Die enthaltene Wärmeenergie verschwindet dabei ungenutzt im Abfluss. Wenn man die verlorene Wärme den Haushalten wieder zuführen könnte, wäre das ein Gewinn für Anwohner und Klima. // Von Kerstin Meinert und Stania Nesrat Alo

05.04.2017//Durch den Abfluss und tschüss. Milliarden Liter warmen Wassers landen in der Kanalisation und bereiten den Kläranlagen und Kommunen nichts als hohe Kosten. Dabei verfügt gerade Abwasser über ein hohes Energiepotential, das bisweilen ungenutzt versiegt. Um Energie zu sparen, haben daher einige Städte dieser verlorenen Wärme den Kampf angesagt.

EU-Initiative für effiziente Energieversorgung

Das 2013 gestartete EU-Projekt "Celsius", das zur Smart-City-Initiative gehört, hat sich dem Problem angenommen. Ziel des Projekts ist es, eine effiziente großstädtische Energieversorgung aufzubauen und so neue regenerative Techniken zur Wärme- und Kälteversorgung zu entwickeln. Neben Köln sind vier weitere europäische Städte beteiligt, darunter London, Rotterdam, Genua und Göteborg. 

SmartCity Cologne testet Abwasserwärme

Das Prinzip der Wärmerückgewinnung aus Abwasser wird unter anderem in der SmartCity Cologne in die Praxis umgesetzt. Hier wird untersucht welche Technik geeignet ist und nach passenden Standortbedingungen geforscht. Dementsprechend wurde eine Potentialkarte der Stadtentwässerungsbetriebe Köln entwickelt, die das unterirdische Kölner Kanalnetz zeigt und jene Kanäle darstellt, mit deren Hilfe Wärme aus Abwasser gewonnen werden kann. "Einerseits braucht man einen entsprechend großen Kanal, wodurch entsprechend viel Abwasser durchfließt. Hinzu kommt, dass diese Anlagen erst noch in der Erprobungsphase und bisher relativ teuer sind. Diese haben dementsprechend auch eine hohe Wartung, da die Wärmetauscher ständig gereinigt werden müssen", so Philipp Hermann, Technischer Sachbearbeiter im Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln.

Wärmeenergie aus Abwasser ganzjährig verfügbar

Das Prinzip der Wärmerückgewinnung ist nicht wirklich neu, die technische Umsetzung allerdings schon. Die Abwassertemperatur liegt in der Regel zwischen 10 und 15 Grad Celsius, selbst im Winter. Somit ist die Wärmeenergie über das ganze Jahr verfügbar. Um sich diese Abwasserwärme nutzbar zu machen, muss das Abwasser in der Kanalisation über sogenannte Rinnenwärmetauscher zu einer Wärmepumpe geleitet werden. Unter geringer Zufuhr von elektrischer Energie erhöht die Wärmepumpe die Temperatur des Wassers so weit, dass sie zur Beheizung der Gebäude ausreicht.

2/3 der Energie geht in die Wärmeversorgung

Im Hinblick auf die Klimaschutzziele der Bundesregierung werden Maßnahmen wie diese zur nachhaltigen Energiegewinnung immer wichtiger. Die Ziele beabsichtigen bis zum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Wärmegewinnung aus Abwasser könnte dazu einen deutlichen Beitrag leisten. Großstädte wie Köln verwenden mehr als zwei Drittel ihres Energieverbrauchs für die Wärmeversorgung. Dabei fließt doch ständig Abwasser durch die Stadt. Warum also nicht die bereits vorhandene Wärme des Abwassers zum Heizen von Gebäuden nutzen? Die Herausforderung liegt in der Entwicklung von Wärmerückgewinnungsanlagen.

CO2-Emissionen von Gebäuden reduzieren

Durch den Gebrauch von solchen Wärmerückgewinnungsanlagen könnte der Verbrauch fossiler Energien, wie Gas oder Erdöl, extrem gesenkt werden. Alleine der CO2 Ausstoß von Gebäuden kann bis zu 50 Prozent reduziert werden. "Im Grunde habe ich ja nur den Stromverbrauch um die Wärmepumpe an sich zu betreiben. Ich muss das Kältemittel pumpen, verdichten und verdampfen lassen, aber ich kann direkt die Wärme aus der Umgebung herausziehen und wieder abgeben und spare dadurch CO2-Emissionen ein", so Philipp Hermann. Untersuchungen zufolge ließen sich rund 20 Prozent aller Gebäude in Deutschland aus Abwasserwärme versorgen. Allerding scheitern Projekte dieser Art bisher häufig an technischen und wirtschaftlichen Einschränkungen, da sich vieles noch in der Forschungsphase befindet. 

Bildergalerie zum Thema Wärmegewinnung aus Abwasser

Artikel: Kerstin Meinert/ Videocribe: Stania Nesrat Alo 

Facebook

Kommentieren und bewerten 

Mit folgendem Formular können Sie den Artikel kommentieren und bewerten. Mit einem * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

Ihr Name*
Ihre E-Mail-Adresse*
Bewertung des Artikels*
(1 Stern = schlecht / 6 Sterne = hervorragend)
Sicherheitsabfrage*: Bitte addieren Sie 9 und 1
Ihr Kommentar*

Die Autorinnen

Kurdistan Nesrat Alo  Kerstin Meinert

Kurdistan Nesrat Alo & Kerstin Meinert