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Elektromobilität

Ladestationen für E-Autos teils Mangelware

Ladestationen sind die Grundvoraussetzung, dass mehr Autofahrer auf Elektromobilität umsteigen. Um diese Infrastruktur zu gewährleisten, sind im Rhein-Sieg-Kreis noch viele Bauprojekte nötig. Die Stadt Sankt Augustin will in den nächsten Jahren mehr Ladestationen errichten. Auch Energieversorger beteiligen sich an diesen Projekten.//Von Martin Pucelik    

18.01.2017//Dominik Klaes aus Bonn fährt seit September diesen Jahres einen Renault Zoe. Er zieht bislang eine positive Bilanz in Sachen Ladesäulen im Rhein-Sieg-Kreis. Zudem finde er in Städten wie Bonn oder Köln ausreichend Ladepunkte. Klaes lobt den schnellen Ladevorgang. "Die Geschwindigkeit ist gut umgesetzt, da sie meist 22 Kilowattstunden bietet.  Das bedeutet, dass Zoe in einer guten Stunde wieder voll aufgeladen ist", beschreibt der Physikstudent. In dieser Zeit könne er in der Stadt bequem shoppen und danach wieder mit einem vollen Akku davon fahren, erläutert er weiter.

Dominik Klares mit seiner Renault Zoe

Dominik Klaes mit seinem Renault Zoe, Foto: Martin Pucelik

Rasthofbetreiber bauen Ladenetz aus

Gerade an Autohöfen werden aktuell viele Ladestationen errichtet, die sehr schnelles Laden ermöglichen. So könnten auch längere Fahrten mit dem E-Auto zukünftig für mehr Fahrer realisierbar sein. Aufgebaut wird diese Infrastruktur derzeit von zwei Rasthofbetreibern im Rhein-Sieg-Kreis "Alegro" und "Tank und Rast". "Diese bieten 43 bis 50 Kilowattstunden für Wechselstrom, also sehr schnelles Laden. Zoe ist dann in einer guten halben Stunde voll", so Klaes weiter. Bei Tank und Rast sind diese Lademöglichkeiten noch kostenlos und werden vom Bund gefördert. Dies sei gerade für Kunden einer Raststätte sehr praktisch, da man beispielsweise nach zehn Minuten einen fast halb vollen Akku habe, erläutert der E-Mobilfahrer. Leider existiere laut Klaes aktuell nur eine Schnellladestation auf der Autobahnraststätte Siegburg-West. "Perfekt wäre es, wenn an jedem Autobahnrasthof zwei bis drei Ladesäulen stehen würden". 

Noch viele Schwierigkeiten in der Praxis

Es gibt auch Fälle, in denen er für eine Kilowattstunde einen bis zwei Euro bezahle. Solche Ladestationen sind Klaes aus dem Rhein-Sieg-Kreis nicht bekannt. "Solange diese Preise in einem vernünftigen Rahmen bleiben, wäre das durchaus in Ordnung", sagt Klaes. Die unterschiedlichen Bezahlsysteme machen zudem Probleme. So gibt es beispielsweise verschiedene Ladekarten der Anbieter, mit denen man an Stationen bezahlt. Oder Schlüssel, die E-Autofahrer sich erst besorgen müssten, um die Ladesäule zu aktivieren. Dominik Klaes hat da eine eigene Vorstellung: "Das einfachste wäre eine EC- Karte oder Kreditkarte, damit es auch international nutzbar ist. Oder eine Ladekarte, die man überall zu vernünftigen Preisen nutzen kann". Dominik Klaes kritisiert auch, dass es leider immer wieder vorkomme, dass Autos mit herkömmlichen Antrieb Ladeparkplätze besetzen würden. Des Weiteren gäbe es zum Teil Stationen, die nicht funktionierten. Dies könne dann schnell zu einem Problem werden, wenn keine Alternative in der Nähe sei, so Klaes weiter.  Klaes sieht vorallem im Ausbau des Netzes die größten Chancen für die E-Mobilität. Im Rhein-Sieg-Kreis ist seiner Meinung nach Einiges passiert.

Sankt Augustin prüft Ausbau von Ladeinfrastruktur

Die Stadt Sankt Augustin will Elektromobilität dadurch fördern, dass bei jeder Bauplanung geprüft werde, ob E-Ladeeinrichtungen sinnvoll eingebunden werden könnten. Beispiele für solche Vorhaben sind unter anderem die S-Bahnhaltestelle Sankt Augustin Zentrum sowie die anstehende Sanierung der DB-Haltestelle Menden Rheinland. Des Weiteren sollen auch bei allgemeinen Bauvorhaben Prüfungen zur E-Mobilität vorgenommen werden. Zudem gibt es Überlegungen, Lademöglichkeiten in Straßenbeleuchtungen zu integrieren, um den ohnehin schon vorhandenen Stromkreislauf nutzen zu können. Diese Möglichkeit und der Bau von induktiven Ladeeinrichtungen (kontaktloses Laden) wird derzeit von der Stadt nicht weiter verfolgt.

Stadt stellt noch keine Ladestationen selbst auf

Die bereits vorhandenen Ladesäulen wurden von RWE und der städtischen Energieversorgungsgesellschaft (EVG) aufgestellt und sind kostenlos. "Sollten die Zulassungszahlen von E-Autos weiter steigen, wird es wohl schwer sein, die kostenlosen Angebote aufrecht zu erhalten", heißt es schriftlich von der EVG. Die EVG ist Mitglied im regionalen Arbeitsverbund "Arbeitskreis Elektromobilität". Dazu gehören unter anderem SWB (Stadtwerke Bonn), Stadtwerke Troisdorf, Rheinenergie und Rhenag.


Ladestation im Huma Parkhaus, Foto: Martin Pucelik

EVG-Ladestation im HUMA-Parkhaus Sankt Augustin, Foto: Martin Pucelik

Rhenag errichtet bislang nur in Siegburg Ladesäulen

Für die Stadt Siegburg ist derzeit die Rhenag einziger Energieversorger in Sachen Elektroautos. Dort hat das Unternehmen fünf Schnellladestationen gebaut und weiterer Ausbau ist vorgesehen. "Es liegt bis jetzt noch keine konkrete Planung vor", lautet eine schriftliche Aussage der Rhenag. Es kommen die gleichen Ladesäulen zum Einsatz, wie in Sankt Augustin. Pläne für andere Systeme existieren aktuell nicht.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Im Rhein-Sieg-Kreis fahren laut Statistik des Straßenverkehrsamtes rund 120 Elektrofahrzeuge (Stand 30.06.2014). Deutschlandweit waren laut Internetseite des Kraftfahrtbundesamtes im Jahr 2015 rund 12.363 Elektroautos zugelassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angekündigt, dass eine Million E-Autos bis 2020 auf deutschen Straßen fahren sollen. Solange nicht genügend Ladestationen vorhanden sind, wird die Zahl der E-Autos jedoch nur sehr langsam steigen - auch im Rhein-Sieg-Kreis.

Bildergalerie zu Ladesäulen im Rhein-Sieg-Kreis

Martin Pucelik, Studiengang Technikjournalismus/Pr, 6. Semester

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