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Ionenstrahl-Behandlung

Therapie ohne Nebenwirkungen

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: eine Anlage, mit der Ionen ins Gehirn geschossen werden. Eine Anlage, die sich auf 5000 Quadratmetern und zwei Etagen unter der Erde erstreckt. Im November 2009 wurde das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) eröffnet. In diesem Jahr soll der letzte Teil in Betrieb genommen werden. Die sogenannte Gantry, die das HIT weltweit einmalig macht.// Von Patrycja Muc

12.02.2010 // An der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg wurde mithilfe der Gesellschaft für Schwerionenforschung die erste Ionentherapie-Anlage mit einem Rasterscan-Verfahren und einem um 360 Grad bewegbaren Bestrahlungsplatz, der Gantry, gebaut. Auf insgesamt drei Bestrahlungsplätzen sollen Patienten mit Tumoren durch eine Strahlentherapie behandelt werden. Dies gilt vor allem für Tumore, die von empfindlichem Gewebe wie Auge oder Gehirn umgeben sind. Über 1000 Patienten jährlich sollen in Zukunft behandelt werden können. "Wir müssen allerdings erst unsere Erfahrungen mit der Anlage machen", sagt Pressesprecherin Dr. Annette Tuffs.

Gantry und Rasterscan bieten Sicherheit

Nicht ohne Grund wird der Einsatz der Gantry bis ins kleinste Detail geplant. Denn die aufwendige Konstruktion ermöglicht weltweit zum  ersten Mal eine drehbare Strahlführung von Ionen. Dabei wird der Patient auf der Gantry positioniert. "Mit dieser lässt sich der optimale Einstrahlwinkel des Therapiestrahls einstellen", erklärt Dr. Jürgen Debus, ärztlicher Direktor der Klinik. Der Ionenstrahl wird anschließend präzise in die Tumorzellen geschossen und schädigt so das Erbgut. Dies ist wiederum genau die Voraussetzung, die zum Tod der bösartigen Tumorzellen führt.

Für eine zusätzliche Sicherheit sorgt das Rasterscan-Verfahren. Zunächst tastet der Ionenstrahl den Tumor Punkt für Punkt ab. Anschließend wird jeder einzelne dieser Punkte mit der vorher berechneten Strahlung behandelt. Mit diesem Verfahren ist eine weltweit niemals zuvor erreichte Präzision in der dreidimensionalen Bestrahlung von Tumoren möglich. Denn die genaue Form und Größe des Tumors kann so exakt ermittelt werden. Bei der kleinsten Abweichung schaltet das Gerät innerhalb von einer halben Millisekunde ab. Das ist 1000-mal schneller als ein menschlicher Reflex.

Keine Nebenwirkungen, hohe Kosten

Im Vergleich zur Behandlung mit anderen Atomen bieten Schwerionen eine sichere Behandlung. Durch ihre größere Masse durchqueren sie das Gewebe als geradlinig verlaufendes Strahlenbündel. Dadurch können keine Strahlen in gesundes Gewebe eindringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Ionenstrahlung erst am Ende ihrer Reichweite ihr Maximum an Strahlung erreicht. So wird weder auf dem Weg zum Tumor noch auf dem Weg zurück gesundes Gewerbe mit Strahlen belastet. "Bisher sind alle Behandlungen gut gelaufen. Wir hatten keine Zwischenfälle oder Nebenwirkungen", bestätigt Dr. Annette Tuffs.

Die Kosten für die Behandlung sind vergleichsweise hoch. "Mit rund 20.000 Euro ist die Bestrahlung im HIT dreimal so teuer wie eine konventionelle Strahlentherapie", erklärt Dr. Debus. Zwar hat die Universitätsklinik mit einigen gesetzlichen Krankenkassen einen Vertrag abgeschlossen, der besagt, dass die Kosten übernommen werden. Wer jedoch nicht bei einem der Vertragspartner versichert ist, muss die Kosten selbst tragen. "Da muss sich jeder Patient mit seiner Krankenkasse wie bei jeder anderen Behandlung einig werden", ergänzt Dr. Tuffs. Eine Liste der kooperierenden Krankenkassen ist auf der Internetseite des HIT zu finden.

Den genauen Zeitpunkt, wann die Gantry in Betrieb genommen wird, will das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum im Laufe der nächsten Monate veröffentlichen.

Weitere Informationen unter:

www.hit-heidelberg.com

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